Amüsantes vom Rande des Rechtsalltags

Ajahn Brahm und Bürokratische Tyrannen

Wie ein australischer Buddhist eine Behörde mit ihren eigenen Waffen schlug

Ajahn Brahm ist Brite und buddhistischer Mönch in Australien. Er ist Autor von Bestsellern wie „Die Kuh, die weinte“ und “Der Elefant, der das Glück vergaß“. In letzterem Werk erzählt Ajahn Brahm unter der Überschrift „Bürokratische Tyrannen“ folgende Geschichte über einen seiner Freunde, der in Perth eine Autowerkstatt betreibt und eines Morgens nicht in seine Werkstatt hineinfahren kann, weil ein Wagen sie so zugeparkt hatte, dass der Zugang sowohl für seine Mitarbeiter als auch für seine Kunden versperrt war:

Der Werkstattbesitzer rief bei der zuständigen Behörde an, um das Fahrzeug abschleppen zu lassen. Der Beamte versprach, jemanden vorbeizuschicken, der einen Strafzettel schreiben würde, abgeschleppt werden könne der Wagen nach geltender Vorschrift jedoch erst nach sieben Tagen. Der Werkstattbesitzer wandte ein, dass das ja bedeuten würde, dass seine Kunden eine Woche lang ihre Autos nicht zur Reparatur bringen und abholen könnten. Daraufhin der Beamte: “Tja, tut mir leid, aber Vorschrift ist nun mal Vorschrift“.

Das ließ der Werkstattbesitzer nicht auf sich sitzen, sondern fuhr mit seinem Lkw bei der Behörde vor und versperrte deren Garageneinfahrt so, dass weder Beamte noch Besucher noch Lieferanten hinein- oder hinausfahren konnten. Als man ihn nachdrücklich aufforderte, den Lkw wegzufahren, antwortete der Werkstattbesitzer nur: “Ach, klemmen Sie einfach einen Strafzettel hinter die Scheibenwischer. Vorschriftsgemäß abschleppen lassen dürfen Sie ihn dann nach einer Woche.“

So kam es dann zu kurzen Verhandlungen in deren Folge das Auto, das die Einfahrt zur Werkstatt versperrt hatte, abgeschleppt wurde und der Werkstattbesitzer seinen Lkw wegfuhr.

Soweit die Geschichte. Nun mag man auf den ersten Blick meinen, dass es in Australien merkwürdige Vorschriften gibt. Und wenn es auch in Deutschland keine Vorschrift gibt, die das Abschleppen erst nach sieben Tagen erlauben würde, gibt es auch in Deutschland ziemlich viele merkwürdige Vorschriften und ziemlich viel merkwürdiges Behördenhandeln. Können wir aus Ajahn Brahms Geschichte etwas für den eigenen Umgang mit deutschen Behörden lernen?

Wahrscheinlich nicht. Wenn deutsche Behörden mit ihrem eigenen bürokratischen Irrsinn konfrontiert werden, dann ändern sie nicht etwa diesen Irrsinn, sondern exekutieren ihn gnadenlos oder versuchen, eine Ausnahme nur für sie selbst zu entwickeln. So führen etwa Bauverzögerungen bei öffentlichen Bauvorhaben aufgrund strengster Vorgaben des Denkmalschutzes nicht etwa dazu, dass die Denkmalschutzbehörden überdenken, ob sie ihre Anforderungen nicht das eine oder andere mal etwas überziehen, sondern dazu, dass Steuermittel, die man gewiss sinnvoller hätte einsetzen können, ohne Ende verfeuert werden, um den Forderungen des Denkmalschutzes zu 100 % gerecht zu werden. Dass Bundesobergerichte nunmehr bei der Besetzung ihrer Stellen mit den Folgen ausufernder Anforderungen des Bundesverwaltungsgerichts an das Stellenbesetzungsverfahren konfrontiert werden, führt nicht etwa dazu, dass das Bundesverwaltungsgericht darüber nachdenkt, ob man das Ganze nicht etwas einfacher gestalten könnte, sondern dazu, dass der Präsident des Bundesverwaltungsgerichts dafür plädiert, eine Sonderzuständigkeit des Bundesverwaltungsgerichts für Konkurrentenstreitverfahren von Bundesrichtern einzuführen (siehe dazu Spezialsenat des Bundesverwaltungsgerichts für Konkurrentenstreitverfahren über Bundesrichterstellen?)

Ajahn Brahms Geschichte wäre in Deutschland wahrscheinlich so ausgegangen, dass man den LKW des Werkstattbesitzers sofort auf dessen Kosten abgeschleppt hätte, während dieser sieben Tage sein Betrieb hätte schließen können.

Glückliches Australien! Wenn Sie schon einmal eine deutsche Behörde mit ihren eigenen Waffen geschlagen haben, dann lassen Sie es mich bitte wissen.

Diese Seiten könnten Sie auch interessieren:

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.