Rechtspolitische Beiträge

Justiz als Co-Alkoholiker

Ein Beispiel für verfehlten Umgang der Justiz mit Alkolismus

Alkoholismus ist eine Volkskrankheit. Ca. 1,8 Millionen Deutsche sind alkoholkrank. Weitere 1,6 Millionen mißbrauchen Alkohol. Alkoholismus ist nach Nikotinsucht und Bluthochdruck die häufigste Todesursache. Er treibt nicht nur den Alkoholiker, sondern auch seine Familie, den Ehepartner und seine Kinder in den Abgrund. Das persönliche Umfeld, die Kollegen des Alkoholikers werden zu Co-Abhängigen. Sie versuchen, dem Alkoholiker die Probleme abzunehmen, die mit seiner Trunksucht verbunden sind. Sie decken und vertuschen die Alkoholkrankheit gegenüber Dritten mit verheerenden Folgen für die eigene Seele.

Auch die Justiz wird mit Alkoholismus konfrontiert: Die Strafrichter haben es mit Trunkenheitstaten zu tun, Arbeitsgerichte beschäftigen sich mit Alkoholismus als Kündigungsgrund, Verwaltungsgerichte bestätigen den Entzug der Fahrerlaubnis, das Bundessozialgericht hat entschieden, dass Alkholismus eine Krankheit ist. Da die Justiz nichts anderes als ein Abbild der Gesellschaft ist, sind auch viele Richter Alkoholiker. Und welches Gericht hat nicht schon mit alkoholabhängigen Schöffen zu tun gehabt, deren Wasserflasche mit Wodka gefüllt war?

Manchmal geht der Umgang der Justiz mit Alkoholismus schief. So z.B. vor zwei Jahren vor einem Familiengericht in einem Sorgerechtsverfahren: Der Richter ist ein netter Mensch. Nach einigem hin und her fragt er das kleine Mädchen: „Was wünschst du dir denn von deinem Papa?“ Das kleine Mädchen gibt eine Antwort, die um so mutiger erscheint, wenn man bedenkt, über welch riesiges Familientabu es sich hinwegsetzt: „Ich wünsche mir, dass Papa weniger trinkt“. Wird der Hilfeschrei des kleinen Mädchens gehört? Der Richter fragt den Papa: „Wieviel trinken Sie denn so?“ Der Papa antwortet: „So ein, zwei Bier abends“. Der Richter: „Na dann, ich trinke ja auch mein Feierabendbierchen …“. Und überträgt das Sorgerecht dem Papa. Heute wurde das Kind ins Heim gebracht. Papa´s Trunksucht war nicht mehr zu übersehen.

Hier wurde die Justiz zum Co-Abhängigen. Anstatt das Kind zu stärken und ihm zuzuhören, wendet sie sich dem Alkoholiker zu, bringt ihm Verständnis entgegen und belohnt ihn auch noch mit der Sorgerechtsübertragung.

Vielleicht ist die Justiz viel häufiger Co-Abhängiger, als wir ahnen. Zeigen Gerichte viel Verständnis für zu viel Alkohol, freut das den Alkoholiker. Helfen tut es ihm nicht.

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