Wenn Behörden lange prüfen …

Was lange währt, wird niemals gut - Behördliche Verbrauchertäuschung

Vielleicht haben Sie auch schon einmal einen solchen Brief von einer Behörde bekommen: „Wir bedauern es, dass die Prüfung Ihres Antrages einige Zeit in Anspruch genommen hat …“. Sie hatten sich schon gewundert, was die Behörde da anderthalb Jahre lang gemacht hat. Aber jetzt sind Sie beruhigt: Die Behörde hat anderthalb Jahre geprüft. Ja, dass man sich so intensiv um Ihre Sache gekümmert hat … Das muss schon eine besonders schwierige Prüfung gewesen sein …

Machen Sie sich nichts vor! Es handelt sich um einen üblen Fall von Verbrauchertäuschung. Lange geprüft bedeutet nämlich: Ewig rumgelegen und dann zehn Minuten bearbeitet.

Das heißt nicht, dass die Behörde faul war. Sie hatte eben anderes zu tun. Wäre die Behörde ehrlich, so würde sie das auch so formulieren. Das käme aber nicht so gut an. Wir mögen es nämlich mehr, wenn man sich um unsere Angelegenheiten lange kümmert, als wenn man sie lange unbekümmert liegen lässt.

Jüngst ging so ein Fall gar durch die Presse. Da kümmerte sich eine Behörde um ihre eigenen Angelegenheiten: Die Berliner Senatsverwaltung für Inneres prüfte monatelang, ob denn das Kopftuchverbot für Lehrer mit der jüngsten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Thema vereinbar sei. Über das Ergebnis der Prüfung berichtet der Tagesspiegel: Man verständigte „sich in der Behörde auf eine vierseitige Stellungnahme für den Senat, die im Wesentlichen wiedergibt, was im einschlägigen „Neutralitätsgesetz“ des Landes Berlin steht“. Vielleicht ist es ja so, dass man die Beantwortung der Prüffrage scheute, weil die Antwort Teile der Bevölkerung beunruhigen könnte …

8.12.2015

Diese Seiten könnte Sie auch interessieren:

 

Veröffentlicht am Kategorien Verwaltung, VerwaltungsrechtTags , , , ,

Beitrag zuletzt aktualisiert am 6. April 2016.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.