Prozess, Prozessrecht und Prozesstaktik

Der Ferienrichter

Ein Plädoyer für mehr richterliche Rücksichtnahme in den Ferien

Ein Ferienrichter ist ein Richter, der die Parteien, insbesondere ihre Prozessvertreter, zur Unzeit ‑ nämlich in den Ferien – nervt. Es gibt zwei Varianten des Ferienrichters. Die eine Variante ist der Ferienrichter, der in den Ferien nicht in den Urlaub fährt. Die andere Variante ist der Ferienrichter, der in den Ferien im Urlaub ist. Und dann gibt es natürlich auch noch die Kombination aus beidem.

Wenn Sie als Prozessvertreter öfters mit Gerichten zu tun haben, dann kennen Sie sicherlich die Darbietung des Ferienrichters, der da ist:

In einem Verfahren passiert lange nichts von Bedeutung. Dann passiert nichts. Und dann überhaupt nichts. Und dann sind Sommerferien. Und dann erwacht der schlafende Riese: Urplötzlich will das Gericht etwas von Ihnen. Weil jetzt in den Ferien der Richter Zeit gefunden hat, sich um das von Ihnen betreute Verfahren zu kümmern. Und dieses Verfahren muss auch jetzt in den Ferien abgeschlossen werden. Weil der Richter nur in den Ferien ‑ genauer nur in der Ferienzeit, in der der Richter nicht selbst Urlaub hat ‑ Zeit für Ihr Verfahren hat. Vorher hat er keine Zeit und danach auch nicht. Denn jetzt ‑ jetzt hat er sich in das Verfahren eingearbeitet, jetzt ist das Verfahren so unerträglich alt geworden, dass es keinerlei Aufschub duldet, jetzt ist die Lücke im unendlichen Strom der Verfahren für Ihren Fall.