Rechtspolitische Beiträge

Die Strategien der Rechtsunsicherheit – Teil 13: Die Anwaltschaft als Profiteur der Rechtsunsicherheit

Warum Rechtsanwälte Hüter und Heizer des Anything goes im Rechtsstaat sind

Während die Richter als Katalysatoren der Rechtsunsicherheit wirken, sind Rechtsanwälte zwar einerseits Opfer, andererseits aber vor allem Nutznießer der allgemeinen rechtsstaatlichen Verunsicherung.

Rechtsunsicherheit als Existenzgrundlage der Anwaltschaft

Die Existenz des gesamten Berufsstandes der Rechtsanwälte hängt davon ab, dass das Rechtssystem nicht so verständlich ist, dass die Bürger ihre Rechtsangelegenheiten und Prozesse alle selbst erledigen könnten. Wäre das der Fall, dann hätten Anwälte nur noch ihre Existenzberechtigung als unparteiliche Berater. Denn, das gilt übrigens im besonderen Maße für Juristen: In eigenen Rechtsangelegenheiten ist man blind. Zumindest ist der Blick oft so getrübt, dass man auch das auf der Hand liegende, aber nicht zum eigenen Vorteil gereichende gerne übersieht.

Rechtsunsicherheit als Grundlage für die Prozessführung

Aber auch unabhängig davon haben Rechtsanwälte ein Interesse an Rechtsunsicherheit. Denn ohne Rechtsunsicherheit wäre es überaus selten, dass überhaupt Prozesse geführt werden. Würde man nach anwaltlicher Beratung von vorneherein wissen, ob man einen Prozess gewinnt oder verliert, würde man Prozesse gar nicht erst führen, sondern davon Abstand nehmen, das Geforderte leisten oder sich einigen. Einen Prozess zu führen, den man mit Sicherheit verliert, wäre nach rationalem Kalkül sinnlos. Es sei denn, man verfolgt andere Zwecke mit der Prozessführung als den Sieg in der Sache, z.B. Schikane oder Leistungsverschleppung.

Amüsantes vom Rande des Rechtsalltags

Macht es einen schlechten Eindruck, wenn ich meinen Anwalt wechsele?

Eine der wichtigsten bislang in den Tiefen des Internets noch nicht gelösten Probleme der Prozesstaktik ist:  „Macht es einen schlechten Eindruck, wenn ich den Anwalt wechsle?“ Darauf gibt es eine klare Antwort: Ja! Denn egal wie, wenn Sie den Anwalt wechseln, stehen Sie immer als der Depp da. Es stellt sich nur die Frage, bei wem Sie einen schlechten Eindruck hinterlassen. Da gibt es die verschiedensten Varianten:

  • Hatten Sie einen wirklich schlechten Anwalt und haben zu einem guten Anwalt gewechselt, dann gibt es garantiert jemanden, der über Sie denkt: „Mensch ist der deppert, der hätte sich doch gleich einen guten Anwalt nehmen können!“
  • Hatten Sie einen wirklich schlechten Anwalt und haben wieder zu einem schlechten Anwalt gewechselt, dann stehen Sie als doppelter Depp da.
  • Hatten Sie einen wirklich guten Anwalt und sind zu einem guten Anwalt gewechselt, dann kann es sein, dass jemand denkt, dass Sie zu deppert waren, um mit dem ersten Anwalt klar zu kommen.
  • Hatten sie einen wirklich guten Anwalt und sind zu einem schlechten Anwalt gewechselt, dann wird man Sie für einen Oberdeppen halten.

Wie Sie es auch anpacken, der gute Eindruck ist dahin.

Das macht aber gar nichts. Wenn Sie die Frage stellen, ob es einen schlechten Eindruck macht wenn sie den Anwalt wechseln, dann kann es dafür zweierlei Gründe geben. Der erste Grund ist der, dass Sie zu den Leuten gehören, denen es wichtig ist, dass alle anderen Leute einen guten Eindruck von Ihnen haben. Dann werden Sie im Leben eine ganze Menge Probleme haben, von denen der schlechte Eindruck wegen eines Anwaltswechsels eines der geringsten ist. Um es mit den Worten einer Person zu sagen, die sich um einen guten Eindruck recht wenig scherte und damit doch recht weit kam: „Everybody’s darling is everybody’s Depp“ (Franz Josef Strauß).

Prozess, Prozessrecht und Prozesstaktik

Guter Rechtsanwalt – Schlechter Rechtsanwalt

Und wie man sie beide voneinander unterscheidet - Zur Qualität anwaltlicher Arbeit

Sie möchten wissen, wie man beurteilt, ob ein Rechtsanwalt ein guter Rechtsanwalt ist? Wie man die Qualität eines Rechtsanwaltes auch als juristischer Laie einschätzen kann? Dann sind Sie hier richtig. Suchen Sie gerade einen guten Rechtsanwalt? Dann wird Ihnen hier zwar kein bestimmter Rechtsanwalt empfohlen. Aber Sie finden ein paar Hinweise, wie Sie einen guten Rechtsanwalt erkennen können, wenn Sie einen treffen. Sind Sie nämlich nicht gerade langjähriger Justizprofi, stehen die Chancen gut, dass Sie einen schlechten Rechtsanwalt für einen guten halten und auf einen Schaumschläger hereinfallen. Oder umgekehrt. Zur Suche nach einem guten Rechtsanwalt empfehle ich Ihnen, Wie finde ich einen guten Rechtsanwalt? zu lesen.

Das Bild, das sich viele Menschen von einem guten Anwalt machen, beruht auf Film und Fernsehen – vornehmlich auf Filmen über die amerikanische Strafjustiz. Da wird der rhetorisch versierte Anwalt propagiert, der eine Jury engagiert und mit cleveren Tricks von der Unschuld seines Klienten überzeugt. Auch haut der Anwalt gerne mal auf den Tisch. Wie aber sieht die deutsche Rechtswirklichkeit außerhalb des Fernsehers aus?

Ein guter Rechtsanwalt ist der, der gut für seinen Mandanten ist

Wenn Sie einen Rechtsanwalt als „guten Rechtsanwalt“ bezeichnen, bewerten Sie die Handlungen oder Eigenschaften des Anwaltes positiv. Wobei Eigenschaften bei genauerer Betrachtung eine Zusammenfassung von Beobachtungen von Handlungen sind. Wenn Sie etwa davon reden, ein Rechtsanwalt sei durchsetzungsstark, dann haben Sie zum Beispiel beobachtet, dass der Rechtsanwalt sich in einer Reihe von Verhandlungen durchgesetzt hat, und sie prognostizieren, dass er sich auch in Zukunft wieder durchsetzen wird.