News vom Rande des BER - Frei erfunden und frisch fabuliert

Grundloses Gejammer über die Entscheidung des Landgerichts Hamburg zur Linkhaftung

Die verfassungsrechtlichen Grundlagen der Haftung für verlinkte Urheberechtsverletzungen

Kaum hat das Landgericht Hamburg über die Linkhaftung (Beschluss vom 18. November 2016 – Az. 310 O 402/16 –) beschlossen, geht das Heulen und Jaulen und Zähneknirschen los: Realitätsfremd! Erschütterung des Internets in seinen Grundfesten! Ende des Webs! IT-Branche besorgt! Ende der Kommunikationsfreiheit! Ende der Meinungsfreiheit! Petition!

Und das alles nur, weil das Landgericht Hamburg im Gefolge einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs entschieden hat, dass der Betreiber einer Website, für Urheberrechtsverletzungen auf Webseiten, auf die er verlinkt, haften kann. Betreiber von Webseiten mit Gewinnerzielungsabsicht müssen vor Verlinkung nachprüfen, ob dort gegen Urheberrecht verstoßen wird. Betreiber von nichtkommerziellen Webseiten haften nicht, es sei denn, sie wissen um die Urheberrechtsverletzung oder hätten davon wissen können.

Wozu die ganze Aufregung? Das Landgericht Hamburg hat nur das ausgesprochen, was für jeden klarsichtigen Juristen ohnehin schon klar war. Jeder Student im dritten Semester wird Ihnen erklären können, dass der Beschluss auf der konsequenten und methodisch korrekten Anwendung dreier verfassungsrechtlicher Grundprinzipien beruht:

Der erste Rechtsgrundsatz ist der sogenannte Rechtsschutzanspruch des Staates. Er besagt, dass der Staat einen Anspruch auf Unverbrüchlichkeit der Rechtsordnung hat. Dieser Anspruch richtet sich gegen jeden Bürger und beinhaltet, dass weder natürliche noch juristische Personen gegen die Rechtsordnung verstoßen dürfen.

Rechtspolitische Beiträge

Die Strategien der Rechtsunsicherheit – Teil 16: Juristisches Arbeiten im Zeitalter des Internets und der Digitalisierung

Von der Subsumtion zur Assoziation, von der juristischen Bibliothek zu information overload, Echtzeitaktualisierung und neuronalen juristischen Netzwerken

Sie wissen, Wissenschaftler, Verlagen und Autoren sind die Brunnenvergifter der Rechtssicherheit. Aber es gibt jemanden, der noch größer und mächtiger als diese sein kann: Das Internet. Die große Herausforderung der Zukunft für die Strategen der Rechtsunsicherheit ist die Veränderung der Arbeitswelt für Juristen durch das Internet. Die damit verbundenen Möglichkeiten müssen so genutzt werden, dass sie einen Beitrag zur Chaotisierung des Rechts leisten.

Dabei geht es nicht nur darum, Gerichtsverhandlungen dadurch zu chaotisieren, dass ein Rechtsanwalt spontan aus einer App irgendeine Entscheidung aus dem Hut zaubert, die das Gericht nicht kennt und es der näheren Lektüre bedarf, um festzustellen, dass die Entscheidung entgegen der anwaltlichen Versicherung überhaupt nichts mit der streitigen Rechtsfrage zu tun hat. Es geht auch nicht darum, dass der Arbeitsdruck für die Juristen in den Gerichten, Verwaltungen und Anwaltskanzleien und damit deren Neigung, Fehler zu machen, immer höher wird, weil man höheren Orts meint, die Wunder der Digitalisierung ermöglichten eine Vervielfachung des Arbeitspensums. Es geht auch nicht darum, Verlinkungen an die Stelle des nicht mehr ganz so modernen Copy-und-Paste von Textbausteinen zu setzen. Es geht um mehr, nämlich darum, das juristische Denken und Arbeiten zu verändern.

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Neue juristische Methodik für das Zeitalter des Internets

Bundesjustizministerium legt Gesetzentwurf zur fluiden Rechtsordnung vor

Das Bundesministerium für Justiz hält die klassischen juristischen Arbeitsweisen und Methoden im Zeitalter des Internets und der Social Media nicht mehr für zeitgemäß. Es hat deshalb einen Entwurf über ein Gesetz über eine fluide Rechtsordnung vorgelegt.

Die wichtigsten Eckpunkte des Gesetzentwurfs betreffen die Auslegung und Anwendung von Gesetzen und anderen Rechtsnormen:

  1. Die juristische Subsumtion, also das Zuordnen von Tatsachen zu Tatbestandsmerkmalen von Normen, einschließlich der Auslegung von Gesetzestexten wird ersetzt durch die neue juristische Methode der Assoziation, also die assoziative Zuordnung von Fundstellen juristischer Inhalte im Internet zu dem für wahr erachteten Sachverhalt. Die assoziative Zuordnung erfolgt, soweit es um die Zuordnung von Rechtsprechung geht, anhand der veröffentlichten amtlichen oder nicht amtlichen Leitsätze, soweit es um die Zuordnung anderer juristischer Inhalte geht, anhand der veröffentlichten Zusammenfassungen. Nicht-webbasierte Fundstellen, insbesondere papiergebundene Fundstellen, sind mangels Transparenz nicht verwertbar.
  2. Um auch nicht zuordenbare Fundstellen zuordnen zu können, wird die juristische Methode der Dekontextualisierung eingeführt. Dekontextualisierung ist die Entfernung von die Assoziation störenden Elementen.
  3. Die Auswahl der zu berücksichtigenden Fundstellen im Internet hat durch Suchmaschinen zu erfolgen. Dabei gilt das Gebot der vollständigen Ausschöpfung aller deutschsprachigen juristischen Informationssysteme und sonstigen allgemein im Internet zugänglichen Informationen. Die in den Fundstellen enthaltenen Links sind ebenfalls zu berücksichtigen. Sollten Fundstellen im Internet zum inländischen Recht nicht ergiebig sein, kann auch auf Fundstellen zu ausländischem Recht zurückgegriffen werden.